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Astrologie lebensnah
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Pluto versucht seit geraumer Zeit, an meinem Mond
vorbeizumarschieren (in Schütze, 9. Haus), was er bis dato noch
nicht ganz geschafft hat, und trieb im letzten Urlaub, den ich
selbstverständlich im Ausland verbrachte, die wildesten Blüten...
Als Frau Mitte dreißig, unverheiratet, kinderlos, könnte man auch
von der biologischen Uhr reden, die zu ticken beginnt. Bei einem
Pluto-Transit hört man da allerdings eine mittelschwere Bombe
ticken, vor allen Dingen, wenn man auch noch eine Abtreibung in
seinem Lebenslauf zu verbuchen hat.
In diesem Urlaub begegneten mir die allersüßesten kleinen Teufelchen.
Ich schien eine ungeheure Anziehungskraft für kleine Mädchen zu
besitzen. Diese kleinen Italienerinnen, zwischen zwei und drei Jahre
alt, mit ihren großen, dunklen Augen (wenn ich sie auch noch als
magisch bezeichne, weiß ich nicht, ob es meine sentimentale Natur
ist, oder nur die Frucht meiner astrologischen Zuordnungen...).
Jedenfalls kamen sie auf mich zu, strahlten mich völlig unschuldig
an und trieben mir die Tränen in die Augen.
Ihre Unbefangenheit wird wohl darauf zurückzuführen sein, dass in
Italien die Kinder meistens so unglaublich vergöttert und mit Liebe
überschüttet werden. So viele Küsse! So viele Berührungen!
Ich lag auf meiner Liege und beobachtete, wie das kleine Mädchen
nebenan auf seiner Mutter herumkrabbelte und sich sichtlich wohl
fühlte dabei. Die Mutter mochte wohl in meinem Alter sein,
vielleicht sogar jünger, aber jede Mutti sieht in meinen Augen älter
oder zumindest reifer aus als ich selbst.
Meine Gedanken fingen an, ihr Spiel mit mir zu treiben: Wie würde
sich ein (mein) Kind auf meinem Körper fühlen? Na ja, so gemütlich
wie bei der runden Mutti nebenan wäre es auf meinem Bauch nicht. Das
war der zündende Gedanke für mein Astrologenhirn: Vermutlich hätte
mein Kind den Mond in Steinbock; es würde über meine Beckenknochen
und über die feste Bauchdecke krabbeln, um über meine Rippen wie
über eine Leiter (vielleicht würde es früh zählen lernen?) bei
meinen empfindlichen Brustwarzen zu landen (anfassen verboten!),
umgeben von ein wenig weicher Masse (endlich und wenigstens!). Diese
Gedanken waren ernüchternd, dabei wäre ich doch so gerne eine gute
Mutter, eine die sich Zeit nimmt, eine, auf die das Kind zählen
kann, auf die es bauen kann!
Es ist natürlich vermessen, von der Natur zu erwarten, dass sie sich
nach diesen meinen Vorstellungen richtet, nur weil sie in meinen
Augen und zum heutigen Zeitpunkt passen. Also suchte ich mir eine
neue Möglichkeit: Mond in Zwillinge. Ein Mond in Zwillinge spricht
von einer gewissen Androgynität. Kaum zu sagen, wo man weicher
liegt, auf der Mama oder auf dem Papa? Bei meinem Traummann, einem
Italiener, würde das Kind darüber hinaus zweisprachig aufwachsen,
und da ich sehr sprachbewusst bin, würde ich natürlich viel mit ihm
reden, damit es beide Sprachen möglichst gleich gut lernt. Über
seine neugierige Natur würde ich mich jeden Tag aufs Neue freuen und
würde behaupten, dass es das von seinem Vater habe (der den Mars in
den Zwillingen hat).
Die Natur könnte aber auch einen Widder-Mond für das Kind vorsehen.
Dann würde es eben meine sportliche Natur zu spüren bekommen, meine
Spontaneität, meine zuweilen vorkommende Naivität... Aber dann
müsste ich vielleicht ständig ein neues Spiel mit ihm spielen. Wäre
das nicht furchtbar anstrengend? Oder nur ein Appell an meine
Phantasie?
Mit einem Jungfrau-Mond würde es meine unterentwickelte Weiblichkeit
vielleicht als jugendlich-unschuldig erleben, als zart und feminin.
Das wäre ein Kompliment des Kindes an meinen Körper, den ich selbst
doch eher als robust bezeichnen würde. Vermutlich stünde der
Jungfrau-Mond in Verbindung mit Neptun, so dass das Empfinden meines
Kindes stark idealisiert wäre. Meine kleinen Brüste müssten außerdem
viel Milch produzieren, denn mit der Jungfrau wird man immer bestens
versorgt. Überhaupt würde mich das Kind als viel vorsorgender
erleben als ich je sein könnte. Das würde mich erfreuen, denn dann
hätte ich die Illusion, tatsächlich so eine Mutter zu sein.
Mit einem Waage-Mond würde mich mein Kind tatsächlich als schön
empfinden, kaum zu fassen! Dann müsste wohl oder übel ein
Uranus-Quadrat dranhängen, um der Natur doch noch gerecht zu werden.
Oder wie sonst wäre meine großen Füße mit dem Harmoniebild des
Waage-Mondes zu vereinbaren? Schließlich hat mein großer Bruder
(Sonne in Waage) sich doch auch immer über diese übergroßen Füße
gewundert und festgestellt, dass sie einfach nicht mit meiner
Körpergröße harmonieren. Der Waage-Mond würde auch bedeuten, dass
das Kind mich als ausgleichende oder vielleicht ausgeglichene Mutter
erlebt. Das könnte ich mir nur wünschen... Oder als eine sehr
gepflegte Frau. Da würde sich der italienische Papa aber freuen, wo
er doch Sonne und Merkur in Waage hat und sehr viel Wert legt auf
eine gepflegte Schönheit.
Mein Kind könnte auch den Mond in Wassermann haben: Es würde mich
womöglich als kühl und unerreichbar erleben, oder aber als pfiffig
und fortschrittlich, und als etwas unberechenbar. Warum eigentlich
nicht? Immerhin sitze ich am Computer und schreibe über Themen wie
die Astrologie, was in manchen Kreisen als revolutionär, in anderen
jedoch als völlig rückständig angesehen wird (war da nicht ein alter
Herrscher, der die Traditionen pflegt?). Die Menschheit ist sich
also noch nicht einmal darüber einig, ob das nun der letzte Schrei
ist oder gar ein alter Zopf, wobei sich beide Lager für das jeweils
fortschrittlichere halten... Ich würde den Wassermann-Mond bei
meinem Kind jedenfalls begrüßen (Willkommen im Club, liebes Kind!).
Nicht auszumalen ist es, wenn mein Kind einen Löwe-Mond hätte! Eine
wahrhaft starke Mutternatur wäre ich da, zumindest in seinen Augen.
Es würde sich als den Mittelpunkt meines Lebens betrachten und /oder
mich als seinen Mittelpunkt. Wenn das Kind Recht behalten wollte,
dann müsste ich mich noch ein gutes Stück in Richtung "Urmutter"
entwickeln, um mich damit ganz und gar identifizieren zu können.
Aber gerade da liegt ja mein Problem! Ob die Hormone das regeln
könnten?
Was aber, wenn das Kind einen Stier-Mond hätte? Dann würde es bei
mir Sicherheit und Schutz, und immer mehr als genug Nahrung finden.
Ob ich einige Kilos zulegen würde, so dass es mich auch körperlich
als "satt" empfinden könnte? Das Kind mit dem Stier-Mond liebt die
körperlich-sinnlichen Genüsse, die es gerne oral befriedigt. Meine
armen Brustwarzen! Nein, einen Stier-Mond könnte es nur mit
schwierigen Aspekten haben, so sehr können mich selbst Hormone nicht
verändern!
Ich wage es gar nicht, daran zu denken, dass mein Kind einen Mond in
Krebs haben könnte. Es würde mich als Bilderbuchmama erleben, sich
völlig geborgen fühlen bei mir, gerade so, als hätte es den
Mutterleib nie verlassen müssen: eine körperlich-seelische
Rundumversorgung. Das riecht in meinem Fall wieder nach Quadraten!
Wie wäre es mit einem Skorpion-Mond? Eine sehr tiefe seelische
Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, ja das würde ich mir selbst
wünschen, aber wir hätten doch bereits eine Pluto-Mond-Konjunktion
(in der Synastrie, sofern es in den nächsten zwei Jahren zur Welt
kommt), wäre das nicht des Guten zuviel? Wir würden nicht aufhören,
uns gegenseitig die seelischen Abgründe zu spiegeln, um uns
gegenseitig zu reinigen, zu wandeln, zu heilen. Wohin sollte das
führen? Würden wir jemals wieder voneinander loskommen?
Und mit einem Schütze-Mond? Mein deutsch-italienisches Kind würde
bei seinen reiselustigen Eltern von Haus aus viel in der Welt herum
kommen. Besser also, gleich von vornherein mit einem Schütze-Mond
ausgestattet zu sein, denn sonst müsste es vielleicht darunter
leiden... Bei meinen eigenen Planeten in Schütze würde ich mich
außerdem freuen, wenn das Kind auch etwas davon hat. Ich würde meine
gesammelten Weisheiten an das Kind weitergeben und gerne seine
tausend klugen Fragen hören!
Mit einem Fische-Mond würde sich mein Kind ganz und gar auf mich
einstellen, alles, was ich tue, mit besonderer Hingabe nachahmen und
ich müsste befürchten, dass es sich mir zu sehr anpasst und die
eigenen Bedürfnisse dabei völlig vergisst. Andererseits wäre es
voller Phantasie und würde auch mich als phantasievoll und auch als
sehr einfühlend erleben. Es würde meine großen Füße entdecken und
staunen!
Text von Silvia Benz, entstanden im Juni 2000