Projekt
Astrologie lebensnah
Inhalt
Neue Beiträge
Mitmachen
Danke!
Ich erlebte meine Kindheit als sehr einschränkend, weil mein Vater
daheim ein über alle Massen strenges Regiment führte. Da galt eben
nur eine Meinung; und zwar die meines Vaters. Es gab nur etwas, das
man zu tun hatte - nämlich das, was mein Vater wollte.
Ich hatte als Kind regelrecht Angst, mich gegen seine Meinung
aufzulehnen. Auch dann, wenn ich absolut im Recht war, denn seine
Wutausbrüche und Schläge waren gefürchtet und schüchterten meinen
Bruder und mich richtiggehend ein. Gegen meinen Vater fühlte ich
mich völlig machtlos. Dennoch: Wenn er meinen um vier Jahre jüngeren
Bruder jeweils ungerechterweise bestrafte, wehrte ich mich für ihn
so gut ich konnte. Je älter ich wurde, desto mehr staute sich in mir
eine ungemeine Wut gegen all die Ungerechtigkeiten und
Unterdrückungen auf, die mein Vater mit seinem rücksichtslosen
Verhalten an den Tag legte. Dieses dauernde „mich Unterordnen" hatte
für mich nämlich auch in der Öffentlichkeit Konsequenzen. Es
verfolgte mich sowohl in der Schule als auch noch eine ganze Weile
im Erwachsenenalter. Schnell hatte ich unter Leuten das Gefühl, mein
Gegenüber sei eine Autoritätsperson, der ich mich unterzuordnen
hatte. Zum Beispiel dann, wenn jemand mir gegenüber sehr
selbstsicher und wenn möglich noch mit lautem und bestimmtem Ton
auftrat. Automatisch reagierte ich in so einem Fall wie früher,
ordnete mich unter und traute mich nicht, meine Meinung kund zu tun
oder mich für etwas Lohnenswertes mit Tat und Kraft einzusetzen.
Eigentlich schade, denn eine eigene Meinung und jede Menge Ideen
hatte ich damals schon, nur blieb meist alles unausgesprochen. Ich
war überzeugt, dass ich eh nichts zu sagen hatte und es eh niemanden
interessieren würde. Auf der anderen Seite erlebte ich jedoch, wie
locker andere mit Autoritätspersonen umgehen konnten. Das stimmte
mich je länger je mehr enorm traurig und machte mich auch wütend.
Mir wurde immer bewusster, dass sich an meiner Situation nur was
ändert, wenn ich beginne, hart an mir zu arbeiten; und zwar so
lange, bis ich offen und unbekümmert sagen konnte was Sache war. Das
alte Muster loszulassen ging aber nicht von heute auf morgen und ich
brauchte viele Jahre, bis ich gelernt hatte, dass auch ich einen
eigenen Willen und eine eigene Meinung haben und vor allem, diese
ohne Angst gegenüber jedermann vertreten darf. Auf dem Weg dorthin
haben mir vor allem diverse Kurse in Kinesiologie ganz entscheidend
geholfen. Heute habe ich zwei schon fast erwachsene Mädchen, bei
denen ich in der Erziehung von Anfang an sehr darauf achtete, dass
sie stets ihre eigene Meinung äussern durften, damit sie sich als
eigenständige Persönlichkeiten entwickeln können und es als junge
Erwachsene einmal leichter haben, sich durchzusetzen, als ich es
hatte.
Uschi, 2.8.1960, 16:25 in Bauma