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in Jungfrau im 1. Haus (genauster Aspekt /Orbis 0°08’)
Ich bin in einem Elternhaus groß geworden, in dem Wissen und Bildung
sehr geschätzt wurden. Bücher haben zum Alltag dazu gehört. Ganz
egal, ob wir – als Kinder - ein unbekanntes Insekt im Garten
entdeckt hatten oder ein Fremdwort nicht verstehen konnten – wenn es
galt, eine „Wissenslücke“ zu stopfen, hatte mein Vater immer Zeit
für uns. In besonders guter Erinnerung ist mir das Meyer
Konversationslexikon meiner Eltern. In diesem über 100-jährigen
Lexikon gibt es wunderbare Kupferstiche von Kolibris und anderen
exotischen Vögel, fein gezeichnete Querschnitte durch Höhlensysteme
oder fremdartige Dampfmaschinen, jeweils mit einem hauchzarten
Seidenpapier davor, um die edlen Kollorationen zu schützen. – Für
mich ein ganz persönliches Bild dafür, wie unendlich kostbar Wissen
zu allen Zeiten war und ist....
Wie man „Wissen“ anwendet, ist immer eine andere Geschichte. Zum
Beispiel diese: Als Studentin war ich jahrelang in eine ziemlich
aufreibende und anstrengende Beziehung mit einem jungen Akademiker
verstrickt, dessen Hunger nach Wissen immens war. Dabei stand der
junge Mann in vollem Saft und war eigentlich alles andere als ein
Bücherwurm. Trotzdem konnte er stundenlang vor seinen Fachbüchern
sitzen und die furchtbarsten Wortungeheuer in sich hineinfressen, um
sie vor staunendem Publikum wieder auszuspucken. Und je mehr
Fremdwörter er dabei anbringen konnte, desto besser. Damals konnte
ich einfach nicht verstehen, wie ein intelligenter Mensch glauben
kann, dass man sein „Ego“ nur in ein paar Fremdwörter hüllen muss,
um als „gut angezogen“ durchzugehen. Mit dieser Einschätzung habe
ich auch nicht hinterm Berg gehalten. Ziemlich selbstgerecht, was ?
Und gemein. Was ich damals nicht gesehen habe: was für eine
unglaubliche Leistung und Willensanstrengung es für einen jungen
Mann bedeutet, ernsthaft Wissenschaft zu betreiben, wenn es zuhause
nie mehr Bücher gab als die Bibel und das Telefonbuch. Und wie kommt
jemand wie ich – der ernsthaftes Lernen eigentlich nur vom Hören
sagen kennt – überhaupt dazu, den Lerneifer eines Menschen zu
kritisieren, um damit nichts anderes zu erreichen, wie diesen
Menschen auf seinem Weg zu bremsen? Die typische Überheblichkeit des
„Bildungsbürgertums“ gegenüber dem sogenannten „Kleinbürgertum“.
Aber wahrscheinlich war es damals nicht nur unreflektierte
Überheblichkeit, sondern auch der blanke Neid. Ich war beunruhigt,
wie zielstrebig und konsequent ein Mensch seinen Weg gehen kann,
während ich selber Weltmeisterin auf allen Abwegen war....
Ich hoffe, diese Geschichten veranschaulichen meinen Zugang und
meine Verwendung von „Wissen“. Am liebsten benutze ich meinen
Verstand dazu, hinter Fassaden zu blicken. Und ich glaube, dass ich
diese Suche nach dem Dahinterliegenden vor allem deshalb so
hartnäckig und akribisch betreibe, weil ich mir von diesem
„Geheimwissen“ Macht und Sicherheit verspreche. Macht, Menschen und
Situationen in meinem Sinn zu beeinflussen. Sicherheit, jeden
„doppelten Boden“ im Voraus zu erkennen und möglichst unbeschadet zu
umgehen. Ist dieses Misstrauen plutonisch ? Ich glaube eigentlich
nicht. Das klingt nach Saturn. (→im 9.Haus im Trigon zu
Pluto/Merkur) Aber die Vorstellung, dass die Wahrheit nie an der
Oberfläche, sondern immer ganz tief unten versteckt sein muss, das
kommt mir durch und durch plutonisch vor. Dabei, bei hellem
Tageslicht besehen: warum kann die Wahrheit nicht zur Abwechslung
einmal offen daliegen – wie ein aufgeschlagenes Buch ? Ist das offen
zu Tage tretende weniger „wahr“ als das Verborgene? Warum immer
buddeln und scharren wie ein Hund, der nach dem Knochen sucht ? Da
fällt mir ein: Nicht umsonst heißt der Hund bei „Mickey Mouse“
Pluto....
Übrigens spielt bei mir die Sprache (Merkur) eine immens wichtige
Rolle. Ich liebe Wörter, Redewendungen und die Bilder, die wir
mithilfe von Sprache zeichnen. Sprache ist ein mächtiges Instrument
und diese Macht hat für mich etwas Verführerisches. Wörter können
zerschmettern, aber auch inspirieren und über den Alltag hinaus
erheben. Sprache ist ein mächtiges Instrument. Und diese Macht
auszuloten, interessiert mich.
Außerdem verfüge ich selber über ein klitzekleines bisschen Macht.
Nicht weil ich so ungeheuer viel weiß (das Gegenteil trifft eher zu!
Tiefstaplerin??!! ☺), sondern weil ich als Journalistin von Berufs
wegen die Möglichkeit habe, von vielen Menschen gehört zu werden.
Und ich muss zugeben, das gefällt mir.
Trotzdem meine ich, dass der Wert der Sprache in der heutigen Zeit
überschätzt wird. Letzten Endes zählen Taten.
Noch was ganz konkretes fällt mir zu Merkur/Pluto ein: ich habe eine
Schwäche für Kraftausdrücke! Ich kann so schlimm fluchen, dass sogar
der Teufel neidisch wird...
Überhaupt neige ich in der Wahl meiner Metaphern zu drastischen
Bildern und plakativen umgangssprachlichen Redewendungen. Die Nähe
zum „Boulevard“ kann ich auch journalistisch nicht leugnen. Mein
Publikum sind die ganz normalen Leute auf der Strasse. Keine
Hochschulprofessoren und nicht das Bildungsbürgertum....