Projekt
Als Junge bin ich immer viel gerannt; ich hatte eine ausgeprägte
Motorik und war öfter in Raufereien verwickelt.
Als Heranwachsender tat ich mich sportlich im Kurz- wie
Langstreckenlauf hervor.
Als Jugendlicher/ junger Mann war ich relativ rebellisch, aufsässig
und unbequem. Ich war allergisch gegen Autorität, gab mich als
RAF-Sympathisant, prügelte meine Familienangehörigen - und
Freundinnen.
Die Gewalt brach zwar nur sporadisch - aber für mich und alle Welt
völlig überraschend aus dem Unbewußten hervor. Sie hatte etwas
unkontrolliert Instinktives, von daher stets erstmal eine wohltuende
und befreiende Wirkung -wenn auch bald von massiven Schuldgefühlen
überlagert.
Davon geblieben ist mir eine ausgeprägte, leicht überdrehte Lache
bzw. als charakteristische Eigenart ein kaum abstellbares, fast
chronisch zu nennendes Grinsen. Und die Neigung zu spontanen, z.T.
sehr ungewöhnlichen und unberechenbaren Aktionen... Deswegen landete
ich wohl auch beim Taxifahren als Brotberuf, die Vorstellung, mich
als Psychologe verdingen und mit langwierigen Fallgeschichten
beschäftigen zu müssen, löst Panikgefühle aus! Ein Positivum meiner
Ungeduld bzw. Sucht nach Kurzweil wäre, daß ich alle anstehenden
Dinge möglichst schnell erledige, sie einfach "vom Tisch" haben
will.
Nicht zu vergessen den kämpferischen, scharfen Geist: heute
"schlage" ich mich bevorzugt auf diesem Gebiet, für Ideale und
Prinzipien. Mit meinem Degen aus Verstand und Sprache vermag ich
einen "Gegner" punktgenau zu treffen, seine Position kurzerhand, mit
einem Federstrich aushebelnd.
Meine aggressiven Impulse habe ich inzwischen auf die Weise im
Griff, daß ich sie möglichst frühzeitig in die äußere Realität
entlasse (was voraussetzt sie wahrzunehmen, zu spüren, statt zu
verdrängen bzw. anzustauen) - unter Verzicht auf allzuviel
moralischen Überbau oder falsche Rücksichtnahme. Schließlich kann an
Ehrlichkeit und Direktheit doch nichts Verkehrtes sein, oder?
Richard, 26.12.1958, 2 Uhr 15, Odenheim / Bruchsal