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(Entspannt ist die Opposition durch Neptun in Haus 12 im Trigon zur
Sonne und Sextil zu Pluto)
Ich schreibe diesen Text als Rückblick und Momentaufnahme in einer
schweren plutonischen Krise, am 4.7.1998.
Schon in frühester Kindheit erlebe ich die krasse Ablehnung des
Vaters, der mir suggeriert und auch deutlich sagt, ich hätte sein
Leben ruiniert (indem ich ihn zwangsweise zum Ehemann und
Familienvater machte).
In mir setzt sich fest: Es gibt Mächtige und Ohnmächtige, und ich
gehöre zu den letzteren. Meine Entwicklung hat der Vater durch seine
erdrückende Übermacht weitgehend unterdrückt. Ein konkretes
Beispiel: Ich wollte klavierspielen lernen, aber er kaufte mir kein
Klavier, da ich nicht klavierspielen konnte. Ich wollte radfahren
lernen, aber ebenso bekam ich kein Fahrrad, weil ich nicht radfahren
konnte. Seiner "Logik" gemäß wären das unnötige Anschaffungen
gewesen: Wozu etwas kaufen, wenn man nicht weiß, ob es auch genutzt
wird?
Ich konnte also meine Lebendigkeit nicht entfalten, konnte mich
nicht auf das Leben einlassen. Meine Überlebensstrategie wurde das
Ausweichen: dem Druck nämlich, den ich im Außen erlebte, weil ich
meine eigene Pluto-Energie nicht kannte und schon gar nicht lebte.
In der Kindheit hatte ich ein sexuelles Mißbrauchserlebnis, außerdem
zahlreiche Begegnungen mit "schwarzen Männern", die den Schwanz
herausholten, mich verbal oder durch Grapschen belästigten oder mir
einen Geldschein anboten. Diese Anziehungen endeten erst im
Erwachsenenalter, als ich anfing, mich mit meiner Plutoenergie
auseinanderzusetzen. Ich machte damals eine körperorientierte
Therapie, bei der viel Verdrängtes aus der Kindheit ins Bewußtsein
kam.
Meine ganze Kindheit war überschattet von Angst und Schwäche, bis
hin zu Ohnmachtsanfällen in der Jugend. Mein Blutdruck war sehr
niedrig. Ich fühlte unbewußt, daß ich kein Recht hatte zu leben.
Wann immer es mir gutging oder gutzugehen "drohte", mußte ich zum
Ausgleich - quasi als Entschuldigung für meine Existenz - sofort
krank werden.
Als mit Anfang zwanzig der transitäre Uranus auf die Apexposition
der Opposition, nämlich 5° Schütze wandert (also Quadrate zur Sonne
und zu Pluto wirft), bekomme ich Panikanfälle, habe das Gefühl, mein
Körper wird auseinandergerissen. Das hat auch mit dem Grundthema
"Nicht-leben-dürfen" zu tun: vermutlicher Abtreibungsversuch meiner
Mutter im ersten Stadium der Schwangerschaft, zumindest wurde
erwiesenermaßen darüber nachgedacht.
Das Thema der Machtlosigkeit wiederhole ich im Beruf, arbeite an
einer großen Institution in totaler Fremdbestimmung. Ich erlebe die
Festanstellung als erdrückenden Zwang zur Unfreiheit, komme aber bis
heute nicht davon los, weil in mir die Bereitschaft zu echter
Freiheit (mit allen Konsequenzen) noch nicht da ist. Ich habe das
Gefühl, mich in der Arbeit totstellen zu müssen, weil ich immer dann
Schwierigkeiten bekomme, wenn ich etwas von mir, meinen Gefühlen,
meinem Willen, meiner Lebendigkeit durchblicken lasse. Vor kurzem
sagte ich dies zu einem Kollegen; er erwiderte, er könne mich so gut
verstehen. Als ich später sein Horoskop stellte, entdeckte ich darin
dieselbe Aspektfigur: durch Neptun entspannte
Pluto-Sonne-Opposition, hier mit Sonne in Wassermann in 119, Pluto
in Löwe in H3, Neptun in Waage in H5.
Durch Männer fühle ich mich sehr schnell unter Druck gesetzt, von
ihrer Erwartungshaltung gequält, eingeengt. Ich flüchte dann
entweder gleich in die Freiheit oder in eine kühle, sicherlich
verletzende Distanz (Mond in Wassermann in Opposition zu Uranus).
Verschiedene Blickwinkel auf die Entspannung durch Neptun in 12:
Männer setzen mich zwar unter Druck, aber ich kompensiere das, indem
ich gnadenlos ihre Schwächen erkenne. In meinem Leben gibt es keine
Helden. Ich nehme die Männer nicht wirklich ernst, achte sie zuwenig
und verletze damit meine eigene Sonne.
In der Kindheit: Mein Vater war Hobbymaler; das Malen war für ihn
ein "Überdruckventil", und wenn er malte, war er für mich weniger
bedrohlich und unausstehlich als gewöhnlich.
Ich konnte mich als Kind in Traumwelten flüchten, die mir etwas von
der erdrückenden Atmosphäre meines familiären Umfeldes nahmen. Heute
leistet das gleiche für mich die eigene Kreativität, die visionäre
Arbeit (NLP, Traumarbeit, geführte Trancen etc.), und hin und wieder
gestatte ich mir auch noch einen kleinen Tagtraum.
Die Opposition psychologisch:
In mir lieferten sich zwei Persönlichkeitsanteile einen erbitterten
Kampf:
Pluto mit Steinbock- und Jungfrauqualität (den hatte ich
abgespalten, dadurch hatte er desto mehr destruktive Macht) und die
Sonne mit Krebs- und Fischequalität (die kannte als Reaktionsmuster
nur Ausweichen und Krankwerden). Wer da stets den Kürzeren zog, ist
klar.
Heute sehe ich beide Figuren als Anteile von mir: Fische-Sonne in
Haus 4, der innere Mann, ist der König, der Repräsentant meines
Persönlichkeitssystems, schillernd, schöpferisch, weich, aber auch
stark. Der AC-Herrscher Pluto in Haus 10 in Jungfrau ist der
Staatsminister, der Fädenzieher, der den Überblick und damit die
eigentliche Macht innehat; ein strenger, cooler Asket, und zu meiner
eigenen Überraschung humorvoll!
Beide zusammen sind ein unschlagbares Team.
Wie kam es zu dieser Entwicklung?
1996 näherte sich der transitäre Pluto der Apexposition (5° Schütze)
zur Pluto-Sonne-Opposition; das Thema wurde dadurch aktualisiert. Es
wiederholten sich die akuten Panikzustände wie bei dem Uranustransit
1982/83, nur diesmal kombiniert mit schweren Durchfallattacken.
Obwohl ich schon vorher an mir gearbeitet hatte und bereits mitten
in der Astrologieausbildung steckte (also in weiteren
Bewußtwerdungsprozessen), obwohl ich bereit und willens war, mir
alte Verdrängungen anzuschauen, führten mich diese Symptome viele
Male in einen Zustand, den ich als "kleinen Tod" bezeichne - so
"klein" ist er allerdings gar nicht.
Mit der Zeit und im Lauf meiner Entwicklung fühle ich mich nicht
mehr nur als Opfer unberechenbarer Anfälle: Es lassen sich gewisse
"Regeln" erkennen; so treten die Symptome etwa im Vorfeld einer
Bewußtwerdung auf, oder im Zusammenhang mit Veränderungen, die ich
mir zwar heftig wünsche, für die ich jedoch innerlich noch nicht
bereit bin. Inzwischen gibt es auch Bewußtwerdungsschritte, die
nicht von grauenhaften Symptomen begleitet sind, aber auch immer
noch unberechenbare Panik- und Durchfallattacken. Ich lebe stets in
der Angst, daß die Symptome wiederkommen, aber die Tatsache, daß ich
"es" immer wieder überlebt habe, gibt mir eine gewisse rigorose
Sicherheit. Und die Hoffnung, daß die Symptome nach dem Ende des
Transits nicht mehr auftreten (bei dem erwähnten Uranus-Transit war
es so, obwohl ich die "kosmischen" Aufgaben damals nicht erfüllt
habe), vermittelt mir Gelassenheit, denn den größten Teil des
Transits habe ich hinter mir. Ebenso den größten Teil des Ganges
durch die Unterwelt, wobei mir durch die Astrologie und
Astrologen-Kollegen sehr viel Hilfe zuteil wurde und wird. Ich
glaube nicht zu übertreiben, wenn ich bezweifle, ob ich diese Zeit
ohne die Astrologie überlebt hätte. Dies alles ertragen zu müssen,
ohne einen Sinn darin zu sehen und ohne zu wissen, daß es ein Ende
hat, ist mir unvorstellbar. Allerdings ist die Krise noch nicht
vorbei, und alles ist denkbar. Jedenfalls ist für mich der Tod kein
Fremder mehr.
Frau, 25.02.1960,00.35 MEZ, Backnang.
Psychologische Astrologie, Placidus Häuser