Website Anita Cortesi

Projekt
Astrologie lebensnah

Inhalt

Neue Beiträge

Mitmachen

Danke!


Radix

Venus im 10. Haus in Opposition zu Neptun im 4. Haus...



(... im Quadrat zu transitierendem Jupiter über AC Löwe)

Als meine Venus - Neptun Opposition (Venus 10. Haus / Neptun 4. Haus) vom transitierenden Jupiter ausgelöst wird, bin ich 27 Jahre alt. Seit 5 Jahren wohne ich mit meinem Partner zusammen. Ohne es zu merken, habe ich mich in der Beziehung total angepasst und mein eigenes Leben aufgegeben. Ich lebe irgendwie für ihn und die Beziehung ist das einzige, das zählt. Das ungute Gefühl, das ich manchmal habe, ohne zu wissen, woher es kommt, verdränge ich.

Eine Freundin gibt mir das Buch "Wenn Frauen zu sehr lieben" von Robin Norwood, das zu der Zeit auf der Bestsellerliste steht. Da ich oft in Buchhandlungen herumstöbere, habe ich das Buch auch schon gesehen, aber wohlweislich einen Bogen darum herum gemacht. Jetzt lese ich es und es trifft mich total. Ja, ich bin harmoniesüchtig und emotional abhängig von meinem Freund, denn es geht mir ja nur dann gut, wenn es ihm gutgeht. Und schlimmer noch: Meine Zweifel, ob mein Partner nicht ein Alkoholproblem hat, lassen sich jetzt auch nicht mehr verdrängen. Gleichzeitig habe ich aber auch soviel Mut, wie noch nie in meinem Leben und weiss, dass es jetzt Zeit ist, etwas zu unternehmen, auch seinetwegen.

Ich schliesse mich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige an, der AL-ANON, die nach dem Vorbild der AA (Anonyme Alkoholiker) aufgebaut ist. Nach einigen Wochen schon wird mir klar: Nein, ich habe es mir nicht nur eingebildet, dass mein Freund, der wegen Alkoholproblemen bereits früher einmal in stationärer Behandlung war (worüber ich mir vorher nie irgendwelche Gedanken gemacht habe), wieder heimlich trinkt. Ein schmerzhafter Bewusstseinsprozess nimmt seinen Anfang: Meine eigene Machtlosigkeit gegenüber seinem Trinken, das Respektierenmüssen, es ist sein Leben - wenn er trinken will, ist das seine Sache, und ich kann ihn nicht davon abhalten. Ich kann sein Suchtproblem nicht für ihn lösen, höchstens meine eigenen Probleme mal anschauen. Ich gewinne Einsicht über meine Schwierigkeiten, mich abzugrenzen. Ich höre zum ersten Mal in meinem Leben etwas von Loslassen - Gott überlassen - und dass ich nicht über einen anderen Menschen bestimmen kann.

Ich erfahre, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, was aber nicht bedeutet, dass damit alles entschuldigt wäre, sondern dass es notwendig ist, etwas dagegen zu unternehmen. Aber auch die sog. Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit, und ich bemühe mich, gegen meine Krankheit anzugehen, und hoffe, dass es dann auch bei meinem Partner eine Veränderung gibt, wenn ich mich ihm gegenüber anders verhalten könnte. Ich werde mit meinen eigenen Suchttendenzen (Liebessucht, Harmoniesucht, die Sucht, gebraucht zu werden) konfrontiert und erkenne, dass ich, um die Situation, die sich ständig verschlimmert, noch auszuhalten, selbständiger werden müsste. Ich beginne, alleine oder mit lange vernachlässigten Freundinnen etwas zu unternehmen. Als ich meine Aufmerksamkeit mehr mir zuwende, merke ich, dass ich von mir selber überhaupt keine Ahnung habe und gar nicht weiss, was ich möchte und was mir Freude machen würde, sosehr habe ich mich während Jahren selber aufgegeben und meinen Freund in den Mittelpunkt gestellt. Ich erkenne, dass enorme Verlustängste mich daran hindern, mich abzugrenzen oder Forderungen zu stellen, und dass mein negatives Selbstwertgefühl mich für eine Retter-Opfer-Beziehung anfällig macht.

Der Lernprozess ist äusserst schmerzhaft, und doch habe ich das Gefühl, dass mich nichts anderes in meinem Leben so weitergebracht und zum Reifen gebracht hat. Offenbar ist es doch so, dass wir manchmal Schmerzen brauchen, um uns auf den Weg zu machen und uns zu entwickeln.

Claudia, 30-40

Psychologische Astrologie, Koch-Häuser