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(... im Quadrat zu transitierendem Jupiter über AC Löwe)
Als meine Venus - Neptun Opposition (Venus 10. Haus / Neptun 4.
Haus) vom transitierenden Jupiter ausgelöst wird, bin ich 27 Jahre
alt. Seit 5 Jahren wohne ich mit meinem Partner zusammen. Ohne es zu
merken, habe ich mich in der Beziehung total angepasst und mein
eigenes Leben aufgegeben. Ich lebe irgendwie für ihn und die
Beziehung ist das einzige, das zählt. Das ungute Gefühl, das ich
manchmal habe, ohne zu wissen, woher es kommt, verdränge ich.
Eine Freundin gibt mir das Buch "Wenn Frauen zu sehr lieben" von
Robin Norwood, das zu der Zeit auf der Bestsellerliste steht. Da ich
oft in Buchhandlungen herumstöbere, habe ich das Buch auch schon
gesehen, aber wohlweislich einen Bogen darum herum gemacht. Jetzt
lese ich es und es trifft mich total. Ja, ich bin harmoniesüchtig
und emotional abhängig von meinem Freund, denn es geht mir ja nur
dann gut, wenn es ihm gutgeht. Und schlimmer noch: Meine Zweifel, ob
mein Partner nicht ein Alkoholproblem hat, lassen sich jetzt auch
nicht mehr verdrängen. Gleichzeitig habe ich aber auch soviel Mut,
wie noch nie in meinem Leben und weiss, dass es jetzt Zeit ist,
etwas zu unternehmen, auch seinetwegen.
Ich schliesse mich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige an, der
AL-ANON, die nach dem Vorbild der AA (Anonyme Alkoholiker) aufgebaut
ist. Nach einigen Wochen schon wird mir klar: Nein, ich habe es mir
nicht nur eingebildet, dass mein Freund, der wegen Alkoholproblemen
bereits früher einmal in stationärer Behandlung war (worüber ich mir
vorher nie irgendwelche Gedanken gemacht habe), wieder heimlich
trinkt. Ein schmerzhafter Bewusstseinsprozess nimmt seinen Anfang:
Meine eigene Machtlosigkeit gegenüber seinem Trinken, das
Respektierenmüssen, es ist sein Leben - wenn er trinken will, ist
das seine Sache, und ich kann ihn nicht davon abhalten. Ich kann
sein Suchtproblem nicht für ihn lösen, höchstens meine eigenen
Probleme mal anschauen. Ich gewinne Einsicht über meine
Schwierigkeiten, mich abzugrenzen. Ich höre zum ersten Mal in meinem
Leben etwas von Loslassen - Gott überlassen - und dass ich nicht
über einen anderen Menschen bestimmen kann.
Ich erfahre, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, was aber nicht
bedeutet, dass damit alles entschuldigt wäre, sondern dass es
notwendig ist, etwas dagegen zu unternehmen. Aber auch die sog.
Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit, und ich bemühe mich, gegen meine
Krankheit anzugehen, und hoffe, dass es dann auch bei meinem Partner
eine Veränderung gibt, wenn ich mich ihm gegenüber anders verhalten
könnte. Ich werde mit meinen eigenen Suchttendenzen (Liebessucht,
Harmoniesucht, die Sucht, gebraucht zu werden) konfrontiert und
erkenne, dass ich, um die Situation, die sich ständig verschlimmert,
noch auszuhalten, selbständiger werden müsste. Ich beginne, alleine
oder mit lange vernachlässigten Freundinnen etwas zu unternehmen.
Als ich meine Aufmerksamkeit mehr mir zuwende, merke ich, dass ich
von mir selber überhaupt keine Ahnung habe und gar nicht weiss, was
ich möchte und was mir Freude machen würde, sosehr habe ich mich
während Jahren selber aufgegeben und meinen Freund in den
Mittelpunkt gestellt. Ich erkenne, dass enorme Verlustängste mich
daran hindern, mich abzugrenzen oder Forderungen zu stellen, und
dass mein negatives Selbstwertgefühl mich für eine
Retter-Opfer-Beziehung anfällig macht.
Der Lernprozess ist äusserst schmerzhaft, und doch habe ich das
Gefühl, dass mich nichts anderes in meinem Leben so weitergebracht
und zum Reifen gebracht hat. Offenbar ist es doch so, dass wir
manchmal Schmerzen brauchen, um uns auf den Weg zu machen und uns zu
entwickeln.
Claudia, 30-40
Psychologische Astrologie, Koch-Häuser