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Rhythmen der Sterne
von Joachim Schultz
Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach
ISBN 3-7235-0179-6 ca. Euro 16.-
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Wer hat sich nicht schon stirnrunzelnd vorzustellen versucht, warum der
Fische-Aszendent doppelt so schnell aufsteigt wie der Jungfrau-Aszendent? Oder sich
gefragt, ob der leuchtende Stern am Abendhimmel wohl die Venus sein könnte? Auf diese und
viele andere Fragen gibt das Buch Rhythmen der Sterne von Joachim Schultz
auf anschauliche Weise Auskunft. Zwar mutet ein 1963 erschienenes Buch in unserer
schnellebigen Zeit fast schon seltsam an, aber die Lichter am Himmel ziehen ihre Zyklen in
einer völlig anderen Zeitdimension...
Herausgeber des Buches ist der Anhroposophische Verlag am Goetheanum,
Dornach. Das anthroposophische Weltbild schimmert zwischen den Zeilen insofern durch, als
das Buch kein eigentliches Astronomiebuch ist, sondern den Sternenhimmel aus der Sicht der
Erde sachlich, anschaulich und gleichzeitig mit grosser Ehrfurcht vor der Schönheit des
Kosmos beschreibt. Obwohl es nicht explizit für Astrologen geschrieben ist, betrachte ich
es als mit Abstand das beste Buch zum Thema Astronomie für Astrologen.
Auf ca.220 Seiten geht der Autor ausführlich auf die Erscheinungen,
Bewegungen und Rhythmen der Fixsternsphäre, der Sonne, des Mondes und der Planeten ein.
Unter anderem werden die tägliche Bewegung des Tierkreises auf der nördlichen wie auf
der südlichen Hemisphäre sowie Mondknotenzyklen und Finsternisse erklärt. Mit vielen
anschaulichen Skizzen und einer einfachen, sachlichen, ins Detail gehenden Sprache weckt
der Autor das Verständnis für die zyklischen Bewegungen am Himmel.
Ein Beispiel: Sonne-Venus-Konjunktionen finden nicht irgendwo im
Tierkreis statt, sondern an fünf eng begrenzten Tierkreisorten, die sich nur sehr langsam
im Tierkreis verschieben. Ein Zyklus der Sonne-Venus-Konjuntionen dauert denn auch 1200
Jahre. Analog dazu sind die Teirkreisgrade, in denen die Venus rückläufig wird,
ebenfalls einem regelmässigen Zyklus unterstellt. - Eine weitere Besonderheit der Venus:
Sie durchläuft wie der Mond einen Phasenwechsel und wird von der Voll-Venus über die
Halb-Venus zur Neu-Venus und wieder zur Halb-Venus und Voll-Venus. Joachim Schultz
erklärt diese und unzählige andere zyklische Phänomene, ohne sie zu interpretieren.
Obwohl die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten in Text und Skizzen
sehr anschaulich erklärt werden, wird das räumliche Vorstellungsvermögen des Lesers
gefordert. Um einen Nutzen aus dem Buch zu ziehen, braucht der Leser keine mathematischen
Kenntnisse, doch dürfte eine Vorliebe für analytisches und logisches Denken das
Verständnis wesentlich erleichtern.
Wenn Sie als Astrologe/Astrologin das Buch lesen, wird Ihr Umgang mit
der Astrologie gleichsam "zyklischer", und Horoskope werden zu Momentaufnahmen
innerhalb eines zyklischen Geschehens. Ich wünsche Ihnen ein ebenso tiefgreifendes
Aha-Erlebnis, wie mir dieses Buch gebracht hat.
Anita Cortesi, Mai 1998 |