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Astrologie lebensnah
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Als Kind wollte ich immer ein Junge sein, alles Mädchenhafte lehnte
ich ab. Ich spielte mit den Nachbarsbuben „Cowboy und Indianer",
„Lagerbauen im Wald" oder „Liebe, nette Mädchen ärgern", bestand
darauf, nur Hosen (s. Überschrift) anzuziehen und war vorwiegend auf
Bäumen anzutreffen. Dort oben habe ich den Sonnenuntergang
betrachtet, romantische Gedichte geschrieben, Liebesromane gelesen
und in schönen Tagträumen geschwelgt.
Wenn es aber daran ging, den alten Saustall abzureißen oder Beton zu
mischen, dann war ich sofort zur Stelle und habe mich auf einen
tatkräftigen Arbeitswettkampf mit den Jungs eingelassen. Als
liebreizender Teenager konnte ich wohl das eine oder andere Mal mit
lockenden Blicken aus feuchten Rehaugen meine Anziehungskraft
beweisen, aber eher aus Eroberungs- als aus Beziehungslust.
Viel lieber bin ich mit den Kameraden in kurzen Hosen und
Kniestrümpfen durch Wald und Feld gestrolcht, als miniberockt in der
Disco zu tanzen. Ich habe genausoviele Freunde wie Freundinnen und
der Gesprächsstoff unterscheidet sich nicht wesentlich. Mit Männern
arbeite ich gerne zusammen, ich kann zupacken und meistens
kräftemäßig mithalten, lasse mir aber manches Mal auch von einem
Kavalier die Schaufel aus der Hand nehmen.
Als Fernfahrerin habe ich in der Fahrermännerwelt von Deutschland,
Frankreich und Spanien nur nette und kameradschaftliche Kollegen
getroffen, ich war eine von ihnen und wurde für voll genommen aber
doch als Frau bevorzugt höflich behandelt.
Auf einer der Fahrten kamen wir über schlammige Feldwege mit dem LKW
zu einer Fabrik in der Einöde. Dort konnte ich mich in der
Fabrikhalle notdürftig waschen und stand in Dreckstiefeln völlig
erledigt zwischen den lauten Maschinen, fand mich total unweiblich,
bis da ein geschniegelter Spanier auftauchte und mich mit Grandezza
und Handkuß begrüßte! Da ist das Venusische in mir aufgeblüht nach
dieser marsmännlichen Begegnung. Tja, Mars bringt auch verbrauchte
Venus-Energie sofort zurück.
Ich habe gelernt, mich durchzusetzen, auch wenn ich das Kämpferische
in mir lieber zugunsten der freundlichen friedfertigen Frau
zurückgestellt hätte. Es wäre oft bequemer gewesen, nachzugeben und
mich anzupassen, in meiner Generation waren häufig noch die Mädchen
als zweitrangige Geschöpfe für die „niedrigen" Arbeiten mit wenig
Anerkennung zuständig und auch ich hätte mich damit zufriedengeben
sollen. Wollte ich aber nicht und damit entfache ich noch heute
manchen Emanzenkampf.
Es gibt immer noch Männer, die Frauen für nicht gleichwertig ansehen
und sich für die bessere Hälfte der Menschheit halten und auch mein
Mann fühlt sich wohl „degradiert", wenn er erkennen muß, daß Frauen
im Allgemeinen und ich im Speziellen etwas genausogut oder besser
erledigen. Er hat mir aus Bequemlichkeit für viele Familiendinge die
Verantwortung überlassen, mich wenig unterstützt und oft abgewartet,
bis ich etwas alleine bewältigt oder andere Hilfe gesucht habe. So
bin ich unabhängiger und selbständiger geworden in der Beziehung und
wohl der dominantere Partner, die Waschmaschine kann ich auch selber
reparieren.
Viele bescheinigen mir taktvoll einen „herben Charme", andere
sprechen von Haaren auf den Zähnen oder bezeichnen mich als „ganz
renitentes Frauenzimmer". Meine Sinnlichkeit und Erotik präsentiere
ich pfeifenrauchend an der Kreissäge, es kann auch vorkommen, daß
ich in derber Lederkluft mit dem Motorrad vorfahre, Kleid und Schuhe
aus dem Rucksack hole, mich zwischen parkenden Autos umziehe und
dann festlich attraktiv zum Tanzabend stöckle um sowohl Sinnliche
Genüsse als auch Aktion zu genießen. Harmonische Beziehung geht bei
mir mit Direktheit und Aktivität einher und stürmisches
Vorwärtsstreben zielt auf Ausgleich und Begegnung ab.
Renate