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Progressiver Neumond, Sonne Opposition Mond im Radix



Sonnenfinsternis mit Astrodrama

Ein Bericht vom 11.8.1999
Sonnenfinsternis - Finsternishoroskop - Astrodrama



Wir sind eine Gruppe von 25 Leuten und haben uns zu einem Astrodrama-Seminar mit Friedel Roggenbugg, dem Begründer und Pionier des Astrodrama, an einem abgelegenen Ort in Bayern getroffen.

Astrodrama ist spontanes Erleben und Ausdrücken der archetypischen Kräfte oder Planetenprinzipien. Man lernt nicht mit dem Verstand, was Sonne, Mond usw. symbolisch bedeuten, sondern man erlebt und fühlt es mit der entsprechenden Musik, Verkleidung und Bewegung. Ein paar Kisten mit einer breiten Palette von Kleidern, Tüchern, Hüten usw. lassen die Planetenprinzipien konkrete, lebendige Formen annehmen.

In diesem Seminar wollen wir in spielerischem und spontanem Theater die Kräfte von Sonne und Mond darstellen und dann gemeinsam am Himmel beobachten, wie der Mond sich vor die Sonne schiebt, sie verdunkelt und ihr Licht schliesslich wieder freigibt.

Zwölf von uns spielen "Sonne". Wir haben uns mit gelben, orangen oder roten Kleidern und Tüchern aus Friedels Klamottentruhen eingedeckt und tanzen ausgelassen zu einer rhythmischen und feurigen Musik. Wir sind schon sehr auf unsere lebensfrohe und kreative Seite eingestimmt. Zwischendurch schaut der eine und andere schnell einmal durch die Finsternisbrille, um festzustellen, dass die Sonne eine seltsame Einbuchtung hat: Der Mond hat seinen Verdunkelungsgang angetreten.

Da wechselt der laute, schwungvolle Rhythmus zu ruhigen, dämpfenden Klängen über. Dreizehn blau-schwarz-silberne, mit Schleiern verhüllte "Monde" betreten den Saal. Die Stimmung schlägt jäh um. Eine Mondfrau schaut mich aus intensiven, tiefblauen Augen an, hält meinen Blick gefangen und kommt mit sanften Bewegungen auf mich zu. Ich fühle mich gelähmt und weiche zurück. Die "Mondenergie" löscht mein "Sonnenfeuer". Überwältigt von den weichen Klängen der Musik und den zärtlich umfangenden Bewegungen meiner Mondpartnerin gebe ich schliesslich meinen Widerstand auf, gehe in die Knie und dann ganz zu Boden. Das Sonnenfeuer in mir ist erloschen, die nach aussen drängende Aktivität meiner Sonnenpersönlichkeit zur Ruhe gekommen... Ich nehme die streichelnden Bewegungen der Mondfrau wahr, die Zärtlichkeit und Weichheit – eine andere Form von Lebensenergie ... Ein wohliges Gefühl der Gelassenheit durchströmt mich.

Bei den ersten Klängen der nun einsetzenden "Sonnenmusik" spüre ich das Blut mit neuem Feuer in meinen Adern pulsieren. Wie ein Schmetterling, der sich aus seiner Verpuppung befreit, strecke und bewege ich meine Glieder und richte mich langsam auf. Das Feuer der Sonne ist wieder in mir, stärker und reiner als zuvor. Ich lache meine Mondpartnerin befreit an und entführe sie in einen wilden Sonnentanz ...

Dann sind die Monde verschwunden, und zwölf Sonnen bewegen sich wieder ausgelassen zu feurigen Melodien.

Ein Blick durch die Finsternisbrille zeigt, dass der Sonne ein beunruhigend grosses Stück fehlt, das von Minute zu Minute weiter wächst. Sonne und Mond vollziehen am Himmel ihre faszinierende Verschmelzung. Der sanfte, dunkle Mond legt sich vor die helle, strahlende Sonne.

Wir gelb-orange-rot gekleideten "Sonnen" tanzen immer noch ausgelassen, als die "Monde" ein zweites Mal mit wiegenden Körpern hereinschweben, ein meterlanges, schwarzes Tuch vor sich her tragend. Dieser Anblick, zusammen mit der nun wieder einsetzenden mondhaft weichen Musik zwingt uns Sonnen abermals in die Knie. Demütig legen wir uns schliesslich auf den Boden. Manch ein Auge bei Sonnen und bei Monden wird nass ... Wir lassen uns von den tanzenden Monden mit dem schwarzen Tuch zudecken, so wie sich am Himmel die Sonne vom Mond "zudecken" lässt.

Die sonnige Lebensenergie ergibt sich nochmals dem Mond und findet zu ihrem vollen Potential durch die streichelnden Berührungen des Mondes. So jedenfalls erlebe ich es. Mit ausgestreckten Armen und Beinen unter dem schwarzen Tuch liegend spüre ich die sanften Berührungen an meinem Körper. Eine seltsame Wehmut berührt mich bis tief ins Herz. Der Boden muss wohl ziemlich nass von meinen Tränen geworden sein...

Dann, als die Musik wieder in sonnenhafte Rhythmen wechselt, empfinde ich die zärtlichen Berührungen meines Mondpartners mehr und mehr als Kraftquelle für mein Sonnenfeuer. Ein zweites Mal erfahre ich diese erstaunliche Wiederbelebung meines inneren Feuers und tanze schliesslich mit meinem Mondpartner fröhlich durch den Raum.

Dann gehen wir hinaus ins freie Feld. Der Himmel ist mit Wolken übersät, aber die schmäler werdende Sichel der Sonne ist mit der Schutzbrille gut sichtbar. Es wird ein bisschen dämmrig, wie wenn sich Wolken vor die Sonne geschoben hätten.

Eine graue Gewitterwand nähert sich der Sonnensichel. Werden wir die totale Finsternis, das Mysterium der Vereinigung von Sonne und Mond sehen können?

Nein – Wolken verhüllen die Sicht. Das letzte Geheimnis bleibt uns verborgen. Am Himmel spielt sich ein gigantisches Gleichnis ab. Unsere egoistischen Wünsche werden enttäuscht. Wir können und sollen nicht sehen, wie die Sonne im Mond untergeht.

Aber noch bevor sich diese Gedanken in meinem Kopf auskristallisieren, wird es mit atemberaubender Geschwindigkeit dunkel. Als erstes haben die Wolken, die wie wundervolle überdimensionierte Blumenkohlgebilde den Horizont säumen, eine eigenartige Färbung. Der Kontrast verstärkt sich, die Formen treten deutlicher hervor. Innerhalb von Sekunden wird es dunkel. Ich sehe nur noch die Silhouetten der Menschen, einen schwarzen Waldrand ...

Es ist nicht absolut finster, aber doch so dunkel, dass man kein Wort mehr hätte lesen können. Ein Stern glitzert für einen kurzen Moment zwischen den Wolken. Oder ist es ein Flugzeug oder ein Satelit?

Der nordwestliche Horizont ist in ein gespenstisches rotes Licht getaucht – ein faszinierendes Schauspiel von Farben und Wolken. Wer nicht weiss, was sich astronomisch abspielt, muss auf den Gedanken kommen, die letzte Stunde der Erde hätte geschlagen. Ich bin dankbar für die sachlichen Hintergrundinformationen. So kann ich das Geschehen fasziniert und voller Ehrfurcht miterleben.

Zwei Autos fahren etwa 100m weiter unten vorbei. Ich sehe nur die dunklen Umrisse, Scheinwerfer und Rücklichter. Wie kann man bloss am Steuer sitzen, wenn sich ein so gewaltiges Naturschauspiel in Szene setzt?!

Plötzlich werden die dunklen Wolken im Westen heller. Der Himmel wird heller. Der Waldrand ist wieder klar zu erkennen, die Wiese und die Menschen um mich auch.

Mit unglaublichem Power kommt das Licht zurück. Innerhalb von wenigen Sekunden wird es taghell. Es gibt keine Worte, um diese "Geburt des Lichts" zu beschreiben. Ich bin zutiefst beeindruckt.

Auch wenn die Sonne nur als fadendünne Sichel zwischen den Wolken kurz sichtbar wird, hat sie mit ihrem Licht die Welt schon wieder zurück erobert. Wie seltsam, dass die Dämmerung von Westen kommt! geht mir durch den Kopf. Ich bleibe auf der Wiese sitzen und betrachte die grösser werdende Sichel der Sonne, die matt durch die Wolken schimmert.

Dann zuckt ein Blitz. Es donnert. Wir kehren zum Seminarhaus zurück. Es beginnt zu regnen, giesst wie aus Kübeln. Trotzdem scheint mir der Regen sanft und streichelnd. Ich bin überwältigt von dem, was ich erlebt habe...

* * * * *

Ich bin bei Vollmond geboren. In meinem Horoskop stehen sich Sonne und Mond in der grösstmöglichen Entfernung gegenüber. Das eine Prinzip schliesst das andere oft aus. Entweder Wille oder Gefühle! Was ich will, dazu habe ich oft keine Lust, und was gefühlsmässig stimmt, das will ich meist nicht. Diese paradoxe innere Spannung gehört zu meinem Alltag.

Der progressive Mond ist in exakter Konjunktion zur progressiven Sonne. Ein neuer Zyklus beginnt, ein Same wird gelegt.

Heute habe ich erlebt, wie die kreative und nach aussen drängende Sonnenenergie noch viel heller strahlt, wenn sie sich vom sanften, passiven Mond für kurze Zeit zum Innehalten bringen lässt. Das Astrodrama-Rollenspiel ist dabei ebenso beeindruckend wie das Schauspiel am Himmel. Beide Male habe ich dasselbe erlebt: Wenn die Sonne sich vom Mond verdunkeln lässt, geschieht etwas Fantastisches! Wenn ich meinen Willen von meinen Gefühlen überwältigen lasse, geht daraus eine viel klarere und intensivere Kraft hervor als zuvor.

Das Erlebnis von heute morgen ist weit mehr, als sich mit Worten beschreiben lässt. Dieser Bericht ist ein Schatten meiner tatsächlichen Erfahrung.

Anita
1.10.1955, 17:45, Zürich